Die Geschichte der Polenta pasticciata
Polenta gehört seit Jahrhunderten zu den wichtigsten Grundnahrungsmitteln in Nord- und Mittelitalien. Schon lange bevor Mais im 16. Jahrhundert nach Europa kam, kannten die Menschen Breie aus Getreide wie Hirse oder Gerste. Mit dem Einzug des Maises aber wurde die gelbe Polenta schnell zum Symbol der bäuerlichen Küche: einfach, nahrhaft und vor allem günstig. In ländlichen Gegenden, wo das tägliche Brot oft knapp war, ersetzte die Polenta daher das „pane“ und wurde zum Herzstück vieler Mahlzeiten.
Traditionell bereitete man sie in großen Kupferkesseln (paioli) zu, die über offenem Feuer hingen. Mit einem langen Holzlöffel musste die dickflüssige Masse beständig gerührt werden, bis sie ihre cremige, aber feste Konsistenz erreichte. Anschließend wurde die Polenta auf ein großes Holzbrett gegossen, sodass die ganze Familie gemeinsam daraus essen konnte – ein Bild, das eng mit der italienischen Esskultur und ihrem Sinn für Gemeinschaft verbunden ist.
Die Polenta pasticciata – wörtlich „aufgemotzte“ oder „überbackene Polenta“ – stellt eine raffiniertere Variante dieses schlichten Klassikers dar. Anstatt die Polenta pur oder nur mit etwas Käse zu servieren, wird sie in Schichten angerichtet, mit einer würzigen Sauce kombiniert und großzügig mit Käse bestreut. Diese Zubereitungsart entstand vor allem in Zeiten, in denen Fleisch ein Luxusgut war. Hier kommt der berühmte sugo finto ins Spiel – die „falsche Sauce“. Dabei handelt es sich um ein Ragù ohne Fleisch, das aus Tomaten, Zwiebeln, Karotten, Sellerie und frischen Kräutern zubereitet wird. Der Name spielt darauf an, dass dieses vegetarische Ragù in Aussehen und Geschmack an die fleischige Variante erinnert, jedoch ganz ohne tierische Zutaten auskommt.
Dieses Gericht verkörpert die Kreativität der italienischen Landküche in besonderer Weise. Mit wenigen, alltäglichen Zutaten gelang es, etwas Deftiges und Wärmendes auf den Tisch zu bringen, das sowohl satt machte als auch geschmacklich überzeugte. Gerade in den Regionen der Toskana und der Marken war die Polenta pasticciata ein beliebtes Wintergericht. Wenn die Felder abgeerntet waren und das frische Gemüse bereits eingekocht oder konserviert, griff man auf die Vorräte zurück und zauberte daraus Speisen, die Körper und Seele wärmten.
Heute hat die Polenta pasticciata ihre einstige Rolle als „Arme-Leute-Essen“ längst hinter sich gelassen. Sie gilt als kulinarische Tradition, die Erinnerungen weckt und Geborgenheit vermittelt. Zugleich ist sie ein hervorragendes Beispiel dafür, wie aus schlichten, bescheidenen Anfängen Gerichte entstehen konnten, die im Laufe der Zeit zu Klassikern der italienischen Küche heranwuchsen – geschätzt nicht nur in Italien, sondern auch weit über die Landesgrenzen hinaus.
Ausführung: einfach
Zubereitungszeit: 15 Min
Kochzeit: 1 Std
Portionen: 4
Die Polenta pasticciata con sugo finto ist ein einfaches und herzhaftes Rezept mit einer sehr schmackhaften Sauce, deren Hauptdarsteller ein vegetarisches Ragù ist – unbedingt einen Versuch wert. Ein perfektes Gericht für die kalte Jahreszeit.
Zutaten
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- 280 g Maismehl (gelb)
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- 1 Liter Wasser
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- 1 gestrichener Teelöffel Salz
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- 500 g reife Tomaten
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- 2 Stangen Sellerie
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- 1 Karotte
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- 1 Zwiebel
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- 1 Bund Petersilie
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- 1 Bund Basilikum
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- 100 g geriebener Grana Padano
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- Olivenöl extra vergine
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- Salz
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- Pfeffer
So wird’s gemacht: Polenta pasticciata
Zubereitung Polenta pasticciata – Schritt 1
Um die Polenta pasticciata con sugo finto zuzubereiten, beginnen Sie am besten mit der Sauce, da sie etwa eine Stunde kochen muss.
Die Tomaten waschen und für ein paar Minuten in einem Topf mit kochendem Wasser blanchieren. Danach häuten, entkernen und in kleine Würfel schneiden. Den austretenden Saft auffangen, indem Sie die Reste durch ein Sieb streichen.
Sellerie, Karotte, Zwiebel, Petersilie und Basilikum fein hacken. In einem Topf drei bis vier Esslöffel Olivenöl erhitzen, das gehackte Gemüse darin einige Minuten anschwitzen. Anschließend die Tomaten hinzufügen und die Sauce halb abgedeckt bei niedriger Hitze etwa eine Stunde köcheln lassen.
Zubereitung Polenta pasticciata – Schritt 2
Nun die Polenta zubereiten. Dazu das lauwarme Wasser in einen Topf geben, salzen und unter Rühren das Maismehl langsam einrieseln lassen. Ständig weiterrühren, damit keine Klümpchen entstehen. Nach 30–40 Minuten ist die Polenta gar.
In eine Auflaufform oder Schüssel zunächst die Hälfte der Polenta füllen, darauf die Hälfte der Sauce geben und reichlich geriebenen Grana Padano streuen.
Zubereitung Polenta pasticciata – Schritt 3
Darüber eine zweite Schicht bilden: zuerst die restliche Polenta, dann die restliche Sauce. Nach Belieben mit weiterem geriebenem Käse bestreuen.
Zubereitung Polenta pasticciata mit falscher Sauce – Schritt 4
Die Polenta pasticciata ist nun fertig zum Servieren.